Die Situation in Lipova
Lipova (dt.: Lippa) ist eine Kleinstadt im Banat mit ca. 11.000 Einwohnern. Bis zum Zweiten Weltkrieg war die deutsche Kultur der Banater Schwaben prägend für die Stadt. Nach dem Krieg kamen aber viele Deutsche, die in der Armee gekämpft hatten, nicht mehr zurück, andere wurden nach Russland verschleppt. Zahlreiche Rumänen wanderten zu. In den 50er Jahren gab es in Siebenbürgen eine Hungersnot, die viele Ungarn veranlasste, nach Westen zu wandern und sich u.a. in Lipova niederzulassen. Im Kommunismus wurde die Ansiedlung von weiteren Rumänen von staatlicher Seite unterstützt, so dass die Anteile der einzelnen Volksgruppen in der Stadt sich sehr geändert haben. Jetzt leben ca. 200 Deutsche, 400 Ungarn und 500 Roma dort.
Lipova ist mit verschiedenen Krankenhäusern und Schulen, Ärzten und zahlreichen Läden das Zentrum für die umliegenden kleinen Dörfer. Dennoch ist seine Struktur sehr ländlich, die meisten Bewohner sind auf ihren Garten und Viehhaltung angewiesen. Firmen gibt es nur wenige. In einer italienischen, einer holländischen und einer deutschen Nähfabrik wird für den Export genäht.
Der Beginn der Caritas-Arbeit in Lipova
Nach der Wende wurde ein junger katholischer Pfarrer (Pfr. László Wonerth) auf die unbesetzte Pfarrstelle in Lipova versetzt. Er nahm Kontakt mit Pfarrern in Österreich auf und lernte das ‚Haus der Stille’ in Graz kennen. Die Zusammenarbeit begann zuerst in Form von Hilfstransporten, dann wurde klar, dass auch personelle Hilfe für den Aufbau einer Caritas-Arbeit nötig war. Erst kamen Mitarbeiter des ‚Hauses der Stille’ für einige Wochen und z.T. Monate. In dieser Zeit wurde mit dem Essen auf Rädern begonnen und ein Kleiderladen für Second-Hand-Kleidung zur Finanzierung des Essens eröffnet. Ein fester Sitz für die Arbeit wurde notwendig. Als es hier zu Spannungen kam zwischen dem Hilfebedarf in Lipova und den Ansprüchen aus Österreich, beschloss die Theologin Dr. Imogen Tietze, dauerhaft in Rumänien zu bleiben und beim Aufbau der Caritas mitzuwirken. Als Caritas-Zentrum wurde 1993 das Hildegardis-Haus gekauft und in den Folgejahren umgebaut. Es kamen verschiedene Projekte und Personal hinzu.

Zielsetzung des Hildegardis-Hauses
Das Hildegardis-Haus ist Sitz der Caritas Lipova und zugleich Bildungshaus der Diözese Temeswar.
Das Hildegardis-Haus hat seit seiner Entstehung eine Doppelaufgabe. Zum einen ist es Bildungshaus der Diözese: Es werden Einkehrtage, Mitarbeiterfortbildungen und kulturelle Veranstaltungen angeboten und Gruppen beherbergt. Zum anderen ist es eine Sozialstation mit vielfältigen Aufgaben. Die Ziele kann man folgendermaßen formulieren:
Ø In der Bildungsarbeit: „Hoffnungszeichen zu setzen, die die Menschen ermutigen, in ihrem eigenen Land zu bleiben und dort etwas aufzubauen“;
Ø In der Sozialarbeit: die Lebenslagen von armen, kranken und behinderten Menschen etwas erträglicher zu gestalten;
Ø Zum „gegenseitigen Verstehen und gegenseitigen Denkanstößen“ zwischen Deutschland und Rumänien beizutragen;
Ø Den Betrieb der Caritas über Wirtschaftsbetriebe finanziell abzusichern und langfristig die Unabhängigkeit zu erreichen.
Die Zielgruppen des Hauses
Zur Zielgruppe gehören hilfsbedürftige Menschen in Lipova und den umliegenden Dörfern, unabhängig von Religions- und Volkszugehörigkeit. Als hilfsbedürftig werden hier vor allem die Menschen gesehen, die aufgrund ihres Alters, einer Krankheit oder einer Behinderung ihr tägliches Überleben nicht selbst sichern können und die keine Angehörigen oder Bekannten haben, die diese Aufgabe für sie übernehmen. Außerdem fallen auch arme, kinderreiche Familien in die Zielgruppe.
Die Räumlichkeiten
Die Caritas Lipova hat vier Häuser: das Hildegardis-Haus (mit Garten und Grillplatz), das Jakobus-Haus, die ehemalige Volontärswohnung (nun eine Bäckerei) und das Klosterhaus (mit einem Anbau für die Nachmittagsbetreuung von Kindergartenkinder). Ein Grundstück der Pfarrei ist ihr als Gemüsegarten überlassen; in Lipova und in Ghioroc hat sie je ein Geschäft gemietet, um die Kleiderläden zu betreiben.
Das Hildegardis-Haus ist das Zentrum. Im Erdgeschoss befindet sich die medizinische Sozialstation, die Großküche, der Essensraum für Angestellte und Gruppen, Bade- und Duschmöglichkeiten, die Waschküche, Lagerräume für Hilfsgüter und eine Werkstatt. Im ersten Stock sind Gruppenräume für Seminare und Veranstaltungen, drei Büros, das Bügelzimmer und 12 Zimmer mit je drei Betten. Im Altbau unter dem Dach ist ein Gebetsraum und zwei weitere Dreibettzimmer.

